Geschichtswerkstatt der Lessing-Realschule Freiburg

21.04.2019
Zeitzeugenbegegnung im Kreismedienzentrum Freiburg 2016.
Foto: Rosita Dienst-Demuth
Erinnerung ist Eva Cohn-Mendelsson den Ermordeten schuldig.
Foto: Rosita Dienst-Demuth
Die Zeitzeugin Eva Cohn-Mendelsson, Leiterin der Geschichts-Werkstattt Rosita Dienst-Demuth, Schüler und Gründerin der Film AG LessingTV Malte Kaim, Irene Heinzelmann und Niklas Dreier.
Foto: Darius Pasdar

Eva Cohn-Mendelsson im Kreismedienzentrum Freiburg

„Ich bewundere Deutschland heute für die Aufnahme der Flüchtlinge!“ so Eva Cohn-Mendelsson, die am 29. Januar 2016 im Kreismedienzentrum in Freiburg 110 SchülerInnen der Edith-Stein-Schule besuchte.

Die ehemalige Zwangsschülerin Eva Cohn-Mendelsson kam zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2015 von London zurück in ihre Heimatstadt Offenburg. Eingeladen und moderiert hatte Rosita Dienst-Demuth, Leiterin der Geschichtswerkstatt der Lessing-Realschule. Lessing-TV dokumentierte den Besuch in einem rund vier-minütigen Video.

Mit besonderer Aufmerksamkeit und voller Anteilnahme hörten die SchülerInnen der Zeitzeugin zu. Diese durfte während der Nazizeit ihre Schule in Offenburg nicht mehr besuchen. Stattdessen musste sie mit ihrer Schwester Miriam und über 60 anderen jüdischen Kindern aus dem südbadischen Raum die jüdische Schulabteilung in der Lessingschule in Freiburg besuchen. Unter der Woche wurden die Geschwister in verschiedenen Familien untergebracht, so dass die damals sechs-jährige Eva schreckliches Heimweh hatte.

Die Deportation am 22. Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich und die folgenden Jahre traumatisierten das Kind Eva für den Rest ihres Lebens. Ihr Vater musste 1939 nach England auswandern, sonst wäre er nicht aus dem Konzentrationslager Dachau entlassen worden. Dorthin waren alle jüdischen Männer nach der Reichspogromnacht am 10. November 1938 verschleppt worden. Besonders tragisch: Hätten die Briten den Familiennachzug erlaubt, wären ihre Mutter Silvia Cohn und ihre Schwester Esther nicht in Auschwitz ermordet worden.

Diese und weitere Familienschicksale der ehemaligen jüdischen Kinder der Zwangsschule konnten im Kreismedienzentrum in einer eindrucksvollen Ausstellung hautnah erfahren werden. „Rückkehr in die vergessene Schule" (36 Minuten) heißt der Film, der die  Begegnung zwischen heutigen und ehemaligen Schülern der Lessing-Realschule 2004 dokumentiert und der als Einstieg in die Ausstellung zu sehen war.